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Regretting Motherhood. Wenn hochsensible Mütter an die Grenzen ihres Mutterseins kommen

Wenn mir früher als Kinderlose jemand prophezeit hätte, dass ich als Mutter über Jahre täglich mit meinem Muttersein hadern würde, ich hätte es niemals für möglich gehalten. Damals, als ich mir aus tiefstem Herzen zwei Wunschkinder in mein Leben träumte und mir absolut sicher war, dass unser eigener Nachwuchs nicht nur eine Bereicherung für unsere Familie sei, sondern vor allem die sinngebende Ergänzung in meinem eigenen Leben. Damals wusste ich auch noch nicht, dass ich hochsensibel bin.

Hochsensibel zu sein bedeutet, Reize in Form von Sinneswahrnehmungen und Stimmungen weit weniger gefiltert als Nicht‐Hochsensible, wahrzunehmen. Es ist die Aufgabe einer jeden hochsensiblen Person, gut für sich zu sorgen, achtsam die eigenen Grenzen zu erspüren und Pausen bei Überreizung einzulegen. Doch dies ist als hochsensible Mutter fast ein Ding der Unmöglichkeit. Wo kinderlose Hochsensible in ihrem Alltag schon oft an ihre Grenzen kommen, ist die Gefahr bei hochsensiblen Eltern groß, in einer permanenten Überforderung festzustecken und ihr Leben als Dauerstress wahrzunehmen.

Babys und (Klein‐)Kinder sind in der Regel laut und ständig auf der Suche nach Aufmerksamkeit. Das ist nun mal so, aber für mich als hochsensible Mutter bringt mich dieser gefühlte Endloszustand mehrmals täglich an meine Belastungsgrenze und darüber hinaus. Dann wünsche ich mir manchmal mein Leben ohne Kinder zurück, obwohl ich meine beiden Söhne über alles liebe. Nur, dass das Eine eben ohne das Andere nicht geht: kinderlos leben und die geliebten Kinder haben.

Natürlich, es gibt auch die schönen Seiten des Mutterseins! Wenn ich mit meinen Kindern über irgendetwas herzhaft lachen kann oder wir zusammen spannende Geschichten lesen und uns gegenseitig auf dem Spielplatz Sandkuchen backen. Leider wiegen diese Momente all die Fremdbestimmtheit und den täglichen Stress nicht wieder für mich auf.

Fremdbestimmtheit. Das Gefühl, von dessen Existenz ich zuvor nicht gewusst hatte, traf mich vom ersten Moment an, da mein Ältester vor sechs Jahren das Licht der Welt erblickte. Statt Freudentränen übermannte mich die Gewissheit, von nun an vierundzwanzig Stunden am Tag von den Bedürfnissen eines anderen Menschen gelenkt zu werden. Mein eigenes Ich schien zu verblassen, meine Bedürfnisse verschwanden hinter den Gittern eines selbstgebauten Gefängnisses.

Ich glaube der Gedanke die Mutterrolle zu bereuen, rührt gerade bei Hochsensiblen daher, dass sie sich viel zu oft überfordert fühlen. Sei es durch Erwartungen seitens der Familie, ihrer eigenen Perfektion geschuldeten Ansprüche oder aber auch durch die gesellschaftlichen Strukturen.

Meiner Meinung nach braucht es noch mehr Akzeptanz in der Gesellschaft. Sowohl für die Hochsensibilität an sich, als auch für das Annehmen von schambehafteten Gefühlen. Keine Mutter sollte dafür verurteilt werden, wenn sie den Schritt, Mutter geworden zu sein, bedauert. Für ihre Gefühle kann sie nichts! Keine Frau wird freiwillig Mutter, um im Nachhinein die Mutterrolle zu bereuen. Es scheint immer noch selbstverständlich zu sein, dass die Mutter die Hauptkümmerin ist (und das bitte ohne Klagen und immer frohen Mutes!). Dass sie den Nachwuchs idealerweise die ersten drei Lebensjahre zuhause betreut (auch, wenn das den absoluten Stress für sie bedeutet) oder ihre Termine verschiebt, wenn das Kind (oder die Tagesmutter) krank ist. Und die hochsensible Mutter somit ihre dringend benötigte Zeit zum Regenerieren mal wieder hintenanstellen muss.

Wie soll eine hochsensible Mama ihr Muttersein genießen können, wenn Körper und Seele permanent ein Zuviel der belastenden Eindrücke melden? Das muss natürlich nicht für jede hochsensible Mutter gelten, aber bei mir war und ist es oft der Fall. Hinzu kommt, dass es hochsensiblen Müttern sehr schwerfällt, sich Zeit für sich selbst einzuräumen, obwohl es so unheimlich wichtig für sie ist! Das hat nichts mit Egoismus, sondern mit gesunder Eigenliebe zu tun! Gerade wenn wir uns um andere kümmern, müssen wir auch gut für uns sorgen.

Hätte ich mir nicht vorher überlegen können, was es heißt, Kinder zu haben? Natürlich macht man sich vorher so seine Gedanken. Aber Gedanken sind etwas anderes als Gefühle. Man kann sich das Leben, wie es sich mit Kindern anfühlen wird, als Kinderloser nur vorstellen, nicht aber vor‐empfinden. Wahrscheinlich sind meine Kinder noch zu jung, als dass unsere Bedürfnisse und Interessen einen gemeinsamen Nenner finden. Ich warte sehnlichst auf die Zeit, in der wir über den Sinn des Lebens debattieren oder wenigstens ein Gesellschaftsspiel in Frieden über die Bühne bringen können, ohne, dass Spielfiguren vor Wut durchs Zimmer fliegen, weil wieder der falsche Mitstreiter gewonnen hat. Mit jedem Tag, den die Kinder älter werden, wird es für mich leichter.

Heute weiß ich, dass ich keine Kinder zur Vervollständigung eines sinnerfüllten Lebens gebraucht hätte. Und dennoch bin ich dankbar dafür, dass alles so gekommen ist, wie es ist und meine Söhne Teil meines Lebens sind. Ohne meine Kinder hätte ich wahrscheinlich nie erfahren, dass ich hochsensibel bin und wie ich das Potenzial dieses Wesenszugs positiv sowohl für mich, als auch für andere nutzen kann. Denn so viel steht fest: Die Welt braucht dringend hochsensible Mütter, die zu ihren eigenen Bedürfnissen stehen können und damit auch ihren Nachwuchs lehren, gut auf sich zu achten. Vielleicht entsteht daraus dann eine Gesellschaft, die zunehmend akzeptiert, toleriert und bewusster ist im Umgang mit Anderen.

 

Autor: Christine
(Christine ist Bloginhaberin von „Pusteblumen für Mama“, dem Mama‐Blog für hochsensible Mütter) 

 

29 Gedanken zu „Regretting Motherhood. Wenn hochsensible Mütter an die Grenzen ihres Mutterseins kommen

  1. Liebe Christine,

    mit deinem Beitrag hast du mir gerade richtig die Augen geöffnet. Ich bin 34 Jahre alt und kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen, Mutter zu werden. Habe das aber – warum auch immer?! – bisher nie so wirklich konkret mit meiner Hochsensibilität in Zusammenhang gebracht. Weiß davon aber auch erst seit rund einem Jahr.

    Ich liebe Kinder und sie lieben auch mich – aber so richtig bei mir zuhause und rund um die Uhr … puh! Schon allein beim Anblick des ersten Fotos in deinem Beitrag werde ich ganz unruhig und möchte am liebsten Ordnung schaffen. „Ruhe“ schaffen.

    Also vielen, vielen, VIELEN Dank für deine Zeilen!

    Alles Liebe,
    Claudia

    PS: Ich bewundere dich aufrichtig für das, was du trotz allem schaffst!

    1. Liebe Claudia,

      es freut mich, dass mein Beitrag dir beim dich-selbst-verstehen geholfen hat!
      Ich finde, jede Frau hat auch das Recht, nicht Mutter werden zu wollen (was in unserer Gesellschaft auch nicht immer leicht ist, zuzugeben oder sich einzugestehen), obwohl ich auch keiner Frau davon abraten würde, sich für Kinder zu entscheiden.
      Die große Verantwortung ist dann eben, gut und stetig für sich selbst zu sorgen, was trotz aller Bemühungen für Hochsensible eben nicht immer möglich ist.

      Beim Anblick des Fotos ergeht es mir übrigens auch wie dir 😉

      Ganz herzlichen Dank für dein Feedback und dir auch alles Liebe!
      Christine

    1. Liebe anonyme Mama,

      schön, dass mein Beitrag dir helfen konnte, dich bzw. deine Situation besser zu verstehen. Ich wünsche dir, dass du es dir zukünftig erlauben kannst, noch mehr Auszeiten für dich in deinen Alltag einzubauen, falls das bisher noch zu kurz kommt oder du bislang ein schlechtes Gewissen hast, dir Zeit für dich als Frau zu gönnen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich aufs Wohlbefinden positiv auswirkt, sich lieber täglich mehrere kleine Pausen zu gönnen, als alle paar Monate die Woche Wellnessurlaub.
      Wenn du magst, berichte mir doch bei Gelegenheit einmal auf meinem Blog, wie es dir nach deiner „Erkenntnis“ heute ergangen ist, ich würde mich freuen!

      Alles Liebe dir und viele Grüße
      Christine

  2. Auch von mir ein Danke für diesen ehrlichen Beitrag.
    Genauso geht es mir seit Beginn meiner ersten Schwangerschaft vor 9 Jahren.
    Mit mittlerweile zwei Kindern (6 und 8), meinem Mann, Haus und Garten und einem anstrengendem, verantwortungsvollem 25 Stunden Job bleibt mir seit Jahren zu wenig Zeit für mich und meine Regeneration. Diese fehlt mir extrem. Ich achte häufig zu wenig auf mich und weiß das auch. Deshalb verstehe ich dich gut. In Extremphasen bin ich kurz vorm durchdrehen.
    Liebe Grüße, Dany

  3. Wenn ich Eure Beiträge lese, empfinde ich großes Verständnis für uns alle. Freude darüber, daß ich „Leidensgenossinnen“ habe. Nicht zum ersten Mal bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich die Zeit ohne Zögern Jahre zurückdrehen würde. Mein 17jähriger Sohn und das Leben drumherum bringen mich zur Verzweiflung. In den letzten Jahren hatte ich das volle Programm:
    Schulschwierigkeiten, -verweigerung, Diagnose ADHS, Trennung, Scheidung, Wegzug ins Ausland. Schon vorgeburtlich war es schwierig, die Geburt selbst, die Zeit danach. Heute möchte und kann ich nicht mehr. Ich warte, bis die Zeit um ist. Nach außen hin bin ich eine sehr mutige, starke, unternehmerische Frau. Das Muttersein entwickelte sich für mich sehr schnell zu einer Pflicht, die ich versuche, einigermaßen im Konsens mit den gesellschaftlichen Anforderungen zu erfüllen. So viele gutgemeinte Tipps, die nicht helfen. Regeln, die nicht passen. Mir ist das alles so sehr zu viel!!!
    Im Moment kann ich nicht einmal – wie die anderen in ihren Beiträgen – sagen, daß ich meinen Sohn liebe. Das erschiene mir floskelhaft.

  4. Bin auch eine hochsensible Mutter von drei Töchtern und kann vieles nachvollziehen.
    War z.B. immer froh, Töchter statt Söhnen zu haben, weil mir das leichter erschien.
    (höhrerer Lautstärkepegel, mehr Versorgung, mehr Chaos, häufiger Krank als Mädchen…)
    @ Helga, ich habe Freunde (nicht hochsensibel) die auch mit Schulverweigerung des Kindes zu kämpfen haben. Das Dir das alles zuviel ist und das Gefühl für die Liebe abhanden gekommen ist in diesen Jahren des Dauerstresses ist für mich absolut verständlich.
    Eine Umarmung dafür aus der Ferne.

  5. vielen Dank für die Zeilen, fühle mich oft genauso, wie bei dir- Christine- beschrieben, mit zwei Kindern (2+5) immer wieder an der absoluten Belastungsgrenze… Vielen Dank für das Mitteilen!!!

  6. Ihr Lieben,
    auch mir geht es so wie Euch. Der erste Zusammenbruch kam, als mein Sohn ein halbes Jahr alt war. Alles war mir zuviel, nichts habe ich richtig gemacht. Ich wollte immer einfach nur meine Ruhe haben. Dieses Gefühl habe ich bis heute und erst jetzt verstehe ich, woher meine Empfindlichkeit kommt. Ich kann nichts dafür. Was für eine großartige Erkenntnis. Ich habe nie die Kraft für ein zweites Kind aufgebracht. Ich finde das schade, aber ich weiß, ich wäre vor die Hunde gegangen.
    Danke für den Beitrag. Regretting Motherhood war lange Zeit ein Teil von mir und ich habe mich schlecht deswegen gefühlt. Inzwischen bin ich zwar nicht weniger sensibel, aber mein Kind achtet jetzt auch auf mich. Mit gerade mal 9 Jahren! („Wie geht es Dir, Mama? Du siehst traurig aus.“). Gegenseitiges Achten und Wahrnehmen ist mir sehr wichtig und das kriegen wir richtig gut hin! Darauf bin ich stolz.

  7. Ich bin froh, wenn ich hier lese, dass es auch anderen so ergeht wie mir. Mein Sohn ist jetzt 11 Monate alt und ich habe erst vor kurzem herausgefunden, dass ich HSP bin. Diese Erkenntnis hat mir bei vielen Dingen ein Aha-Erlebnis beschert. Ich hadere auch immer noch mit der Mutterschaft. Selbstverständlich würde ich meinen Sohn nie mehr hergeben, doch er raubt mir einfach immer wieder den letzten Nerv. Dass ich zudem noch einen Hund habe der, seit mein Sohn angefangen hat auf dem Bauch zu rutschen (inzwischen krabbelt er), nun auch noch extrem gestresst reagiert, macht die Sache nicht leichter. Im Gegenteil. Das Kind „nervt“, der Hund ist gestresst wegen dem Kind, ich bin wegen beiden gestresst, was meinem Hund auch nicht gerade hilft. Teufelskreis lässt grüssen… Irgendwie hätte ich gerne noch ein zweites Kind, doch ich frage mich immer wieder, ob das überhaupt Sinn macht. Und meine Mutter ständig bei uns zu haben als Hilfe möchte ich jetzt auch nicht. Zudem möchte ich den Kleinen ja auch nicht die ganze Zeit bei jemand anderen lassen. Er gehört ja schliesslich zu mir. Ich hoffe, dass ich noch irgendwie eine Lösung finde, wie ich mit dem Ganzen umgehen kann. Denn die Vorstellung, die nächsten Jahre kein eigenständiges Leben mehr führen zu können, ist sehr beängstigend.

  8. Hallo,

    ich habe mich in vielen Äußerungen in dem Beitrag wiedergefunden. Ich bin selbst eine (späte) Mutter
    Da ich bereits mit Kindern beruflich arbeite, war mir klar , dass Muttersein ziemlich stressig werden kann und ich daher lange überhaupt gar nicht sicher war, diesen Stress überhaupt aushalten zu können. Als Kinderlose hatte ich zumindest die Wochenenden und die Urlaube, um mich zu erholen und die Akkus aufzuladen. Aber aus Angst vor Überforderung komplett auf ein eignes Kind verzichten wollte ich auch nicht. Ich möchte gerne schreiben, was mir in diesen Situationen sehr hilft:
    – Wissen über entwicklungsbedingtes (Nerv-)Verhalten, um die Stressituation anders bewerten zu können ( das klassische Gebrüll an der Supermarktkasse)
    – relativ strikter Tagesablauf mit gleichen Routinen
    -ausmisten! Mich macht zuviel Kram in der Wohnung agressiv. Hilft Kindern auch ungemein, wenn sie in eine eher minimalistische und klar strukturierten Umgebung sind
    -Feste Pausenzeiten am Tag, in denen der Partner die Betreuung übernimmt.
    – Natur! Bei Wind und Wetter raus. Ich bin von der Großstadt aufs Land gezogen, die beste Entscheidung überhaupt!
    – Spieltreffs mit gleichgesinnten Müttern, am besten draußen
    – Aktivitäten mit dem Kind danach aussuchen, was ich gerne mache. Also lieber Malen statt Wettrennen. Für die Action müssen halt Papa oder Freunde auf dem Spielplatz ran.
    -Umgebung so gestalten, dass das Kind möglichst viel selbständig erledigen kann und ich dadurch kurze Momente für mich gewinne, während es sich z.B. die Hände selbst wäscht.
    – in schlimmen Momenten (Tobsuchtanfall) gehe ich in unseren Keller und schreie herum. Geht das nicht , dann versuche ich immer ganz tief und langsam zu atmen und mich darauf zu konzentrieren.
    Das hilft natürlich nicht immer alles , aber vieles wird so erträglicher und ich habe das Gefühl, das nicht alles so überwältigend auf mich einstürmt
    Ich würde mich sehr über weitere Alltagstipps freuen!

    1. Sehr schöne Tipps!

      Ich kann aus eigener Erfahrung folgendes empfehlen: „MSC – Der achtsame Weg zu Selbstmitgefühl“. Da lernt man unter anderem das Meditieren.
      Die erlernte Achtsamkeit hilft einem dann eben auch Situationen mit den Kindern besser zu verstehen. Und dadurch sind diese dann eben auch nicht mehr so belastend.

      Sich so viel wie es nur geht mit den Kindern freuen. Meine sind letztens auf die tolle Idee gekommen, das Wasser ihrer Gläser in ihre Teller zu schütten und dann wie Katzen draus zu trinken. Ich habe gelacht und ein Video gemacht. Die Sauerei, die dabei entstanden ist sollten sie dann eigentlich selbst wegputzen, es war dann aber zu viel, also half ich und wir fuhren alle zufrieden in den Kindergarten.

  9. Liebe Christine,

    ich dachte du schreibst von mir!
    Ich dachte immer, dass ich damit alleine sei! Es ist genauso bei mir abgelaufen, nur zum Teil noch etwas extremer. Je älter er wird je besser wird es, aber z. B. gestern hab ich ein Joghurt auf den Boden geschmissen, letztendlich weil er in einer angespannten Situation ständig mit dem Löffel auf dem Joghurtdeckel rumgekratzt hat. DANACH hab ich gedacht und jetzt nochmal zurück zum Thema Hochsensibilität. Danke. Dein Bericht verändert grade ganz viel

  10. Danke für diesen Artikel!
    So klar habe ich all die Zusammenhänge in meinem Leben noch nicht sehen können. Dein Text war für mich eine tolle Unterstützung. Beim Lesen dachte ich ständig: JA GENAU
    Ich bin zu all den Faktoren, die oben stehen aus einer Gewaltbeziehung geflohen und alleinerziehend… Jetzt kann ich besser Frieden finden mit mir, meinem Überlastungsgefühl. Und dadurch vor allem endlich meinen schlauen Verstand nutzen, um mir Umgangsweisen zu überlegen!
    Aus tiefstem Herzen, u made my day
    Jetzt schaue ich mich mal auf Deiner Seite um…

  11. Tja, ich bin nicht hochsensibel, aber mir geht es genauso. Ich denke, solche Gefühle sind ganz normal bei einigen von uns. Wir waren eigenständige Individuen und plötzlich sind wir und unsere Wünsche und Bedürfnisse irgendwie nur noch „zweitrangig“.
    Gerade in der heutigen Zeit des Individualismus, des steten Dranges sich selber zu verwirklichen, ist es nachvollziehbar, dass wir mit uns und unserer Situation hadern.

  12. Liebe Christine,

    Ich denke auch ohne Hochsensibilität können sich über Generation hinweg gar nicht so wenige Frauen/Mütter in deinem Bericht wiederfinden.

    Häufig sind es die massiven Perfektionsansprüche, die an sich selbst gestellt werden in der Kombination mit gesellschaftlichen anerkannten oder abgelehnten Sicht- bzw. Handlungsweisen.

    Die ewig perfekte Mutter, die auch MAL(!!) – wie mich diese Formulierung auf die innere Palme treibt – einen schlechten Tag hat, wird uns über weite Strecken in allen Online oder Realmedien vorgestellt, vorgegaukelt, vorgelebt, vorgemacht.

    Da wird gebastelt, gemalt, geschneidert, getöpfert, vegetarisch gegessen, jahrelang gestillt (ich stille übrigens sehe gerne und merke jetzt nach 9 Monaten, dass ich meine Brüste einfach auch gerne wieder in Dessous sehe, weil MIR das Freude macht. Das verträgt sich nur sehr bedingt mit dem Stillen…), immer Verfügbarkeit vorgelebt. Alles ist so perfekt und ich habe lange gebraucht, um zu realisieren, dass die Online Welt auch bei scheinbar durch und durch authentischen Familien, alles andere als authentisch ist. Denn wir sind nicht in der Rama Werbung, sondern wir sind alle Individuen. Das Familienbild von xy ist in keinster Weise auf mein Leben übertragbar, das Leben meiner besten Freundin ist ja auch nicht auf mich übertragbar.

    Deswegen habe ich auch keinen Bezug zur blühenden Ratgeberlandschaft.. da werden Ratgeber im Jahrestakt veröffentlicht und Lesereisen veranstaltet, um zu erzählen wie ausgewogen perfekt man das Leben mit den Kids gewuppt bekommt. Ich empfinde das als Zeit- und Geldverschwendung, aber vor allem entfernt es mich von mir selbst. Und darauf läuft am Ende alles hinaus. Sich selbst zwischen allen Ansprüchen und Notwendigkeiten nicht zu verlieren. Und demütig zu wissen, wir sind hierzulande wahnwitzig priviligiert.

    Parallel zur mütterlichen Perfektion, die vor allem darin besteht die Bedürfnisse und Bedürftigkeiten der/des eigenen Kindes höher als alles andere zu gewichten (und auch hier wieder die Mutter, die sich selbst preist, weil sie immer MAL versucht, auch auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und es auf gar keinen Fall um Selbstaufgabe geht), kommt die Selbstgeiselung weil man in seinem Muttersein die eigenen Unzulänglichkeiten in einer Dauerschleife vorgespielt bekommt.

    Aber das ist der Denkfehler. Dieses in meinen Augen wahnsinnig altmodische, althergebrachte Mutterbild, was heute selbst auf scheinbar modernsten Vereinbarkeitsblogs und oder anderen gesellschaftlichen Kanälen vorgelebt/vorgestellt wird, sollte auf das eigene Leben ungefähr soviel Einfluss haben wie eine Eintagsfliege.

    Ich versuche meine Kinder (5 und 9 Monate) so gleichberechtigt wie möglich in mein Leben einzubeziehen. Mir ist es mittlerweile völlig egal, was oder wie andere mich oder meine Kinder wahrnehmen. Ich achte auf Höflichkeit, weil es das Leben angenehm macht und ansonsten vor allem darauf, dass wir alle Spass am Leben haben. Freiraum für alle. Respekt voreinander und ja, tatsächlich bin ich neben dem Mamasein ein Mensch mit Wünschen, Träumen und Hoffnungen jenseits kindlicher Empfindungswelten. Ich habe tatsächlich auch ein Leben (jeden Tag und nicht MAL), in dem meine Kinder nur am Rand (Rand im Sinne von volle Verantwortungsbereitschaft ist jederzeit gegeben, egal was ich mache) eine Rolle spielen. Ich gehe abends aus, mache Sport, arbeite als Musikerin, laufe Marathon usw. Das sind die Zeiten, in denen ich mich löse von Lego, playmobil und co.

    Ich kann nur schwer empfehlen das eigene Mütteranspruchsideal zu überprüfen. Welche Mama möchte ich sein und warum. Hinter jeder einzelnen Mutter, hinter jedem einzelnen Vater steht ein ganz eigener Mensch, losgelöst von dieser Rolle „Eltern“. Dieser Mensch darf leben. Er wurde nicht geboren, um seinen eigenen Ideale in Kindern auszuleben.

    HSP macht mit Sicherheit diesen Spagat noch komplizierter.

    Ich liebe meine Kinder abgöttisch. Ich schaue sie an und bin von tiefster Dankbarkeit und unglaublichen Glück erfüllt. Aber ich nehme mir genauso das Recht heraus von Spielzeug, Spielplatz, Bastelstube und Bibi Blocksberg regelmässig auch Auszeiten zu nehmen. Eine Woche alleine nach London zu einer guten Freundin, eine Party bis morgens um 6, eine 100 km Ultramarathon und die entsprechende Vorbereitung. Alles nur Beispiele, jeder hat andere Dinge, die fürs eigene Leben wichtig sind. Durch diese kinderfreien Zeiten kann ich Kinderzeiten geniessen wie das Lieblingssommereis.

    Du bist genau richtig wie du bist, mit allen Macken und Ecken und Rundungen und Kanten. Geniesse dich genauso wie du von dir erwartest, dass du deine Mutterrolle geniessen sollst.

    Liebe Grüsse und starke Nerven für alle lauten und stürmischen Zeiten!

    1. Liebe Vanessa,

      genauso ist es. Da Mütterideal und die gezeigte Mutterschaft auf allen Asocialmediakanälen ist furchtbar. So in etwa:

      „Wir ernähren uns ganz gesund, immer vegan ohne Zucker, Gluten aber Bio und mit gaaaanz viiieeel Liiieeebe. Etwa einmal pro Monat erlaube ich meinem Sonnenschein ein Stück Schokolade. Ihr noch nicht Erleuchteten dürft ja weiter essen was ihr wollt. Dagegen habe ich nichts. Aber, pfff töff, töff, das müsst ihr selber wissen. Sogar mein Mann trinkt lieber grüne Pampe, nein Smooties als, dass er Currywurst ist.“

      Du hast Recht, was die Erziehungsratgeber betrifft. Die heutigen sind in meinen Augen auch noch sehr verurteilend. Früher wurde den Eltern geraten möglichst einen Rhythmus in den Tagesplan von Eltern und Kind zubringen. Ob das immer richtig war? Aber heute muss alles nach Bedarf geschehen und wehe eine Mutter will mehr oder weniger einen ihr angenehmen Rhythmus reinbringen. Alles muss heute vom Kind ausgehen. Diese absolute nicht Planbarkeit belastet glaube ich manche Mutter zusätzlich. Ich glaube es gibt heute wenige Ratgeber, die sagen die Führung liegt bei den Eltern. Sogar nicht alles einem dreijährigen erklären, ist ja bei manchen Ratgebern schon Gewalt am Kind.

      Du sorgst tagtäglich für deine Kinder ohne nennenswert durchzudrehen und hast noch ein eigenes Leben. Die meisten Väter machen es so, aber wenige Mütter. Frauen, besonders Mütter geben sich für andere auf. Du machst anders und besser.

  13. Mit meiner ersten Tochter war ich schwer überfordert. Ich konnte auch nur die Arbeit sehen, die ein kleines Baby macht. Ich hatte am Anfang gar keine Beziehung zu ihr. Das stundenlange Stillen half mir eine Beziehung aufzubauen. Wenn mein Kind weinte tat es mir einfach nur selbst weh. Ich hatte auch gar keine Ahnung wie man mit so einem kleinen Menschen richtig umgeht. Obwohl ich einen guten Ratgeber nach dem anderen las. Es gab Situationen, da weinte mein Kind und ich fing selbst zu weinen an… Bis es mich mit großen Augen ansah und mich trösten wollte.

    Was mir wirklich geholfen hat war, viel Zeit mit anderen Mamas, die ich über diverse Babykurs kennen gelernt habe, zu verbringen und zu sehen, wie liebevoll und spontan sie mit ihren Kindern umgehen. Ich habe mir ihre Emotionen abgeschaut. Ich habe mir abgeschaut, wie man überhaupt mit Babys spielt. Und zwar so, dass man selbst eine Freude daran hat. Das wurde mir erst später bewusst.

    Da ich an ziemlich viele Grenzsituationen kam, und ich für meine Kinder eine gute Mutter sein wollte, fing ich an in mich selbst zu investieren. Ich machte einen MSC Kurs (Mindful Self-Compassion) mit Medidation. Fing zu meditieren an und lernte Achtsamer mit den Kindern und mit mir zu sein. Für mich war es sehr wichig zu überlegen, warum überhaupt mache Situationen stressig für mich sind.

    Ich schaute den Kindern ihr Spielen ab. Und find selbst an mit meiner Umgebung zu spielen. Dh. ich probierte einfach unterschiedliches in der Kommunikation innerhalb der Familie aus.

    Dann bekam ich noch eine Tochter. Das war dann die Liebe auf den ersten Blick. Von der Liebe, die da war hat dann auch meine größere Tochter profitiert.

    Haushalt geht inzwischen mit Links. Und die Kinder lernen den Tisch zu decken und ihre Sachen aufzuräumen, damit wir dann Zeit haben auch mal zusammen ein Buch zu lesen, oder was zu unternehmen.

    Was mich an dieser Reise bis jetzt echt fasziniert hat. Ist, wie sich ein Mensch (die Mutter) an eine neue Situation anpassen kann. Wie es plötzlich nicht mehr mühsam ist, die Küche aufzuräumen, oder die Kinder bereit fürs Bett zu machen. Es ist einfach „Arbeit“, die zu tun ist. Ich kann mir selbst überlegen, wie ich da ran gehe. Mit Wiederwillen, oder mit schönen Gedanken im Kopf oder einer interessanten Radiosendung im Ohr.

    Für mich war ein großer Schritt, der Weg aus der Opferrolle heraus. Zu einer Person, die beginnt ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ich fand die Kraft dazu, weil ich weiß, dass ich als Mutter meinen Töchtern, ihr größtes Vorbild bin. Alles was ich in meine Persönlichkeit investiere, ist die Basis von der aus sie sich dann weiter entwickeln können.

    Inzwischen bin ich echt entspannt. Schreien und toben tut jetzt vor allem nur noch meine Große, die ziemlich sicher auch ein HSP ist.

    Was es in unserer Gesellschaft schwer macht mit kleinen Kindern zu leben ist die Tatsache, dass die Mütter oft viel Zeit einfach alleine mit ihren Kindern sind. Das ist nicht ideal. Ausserdem finde ich, dass es in unserer Kultur an einem Wissen mangelt, wie man respektvoll mit Kindern umgeht, wie man sie erzieht. Das findet zur Zeit jede Generation wieder neu für sich heraus. Das kann natürlich stark verunsichern. Andererseits sehe ich ein großes Potential darin, neue Wege gehen zu können.

    Meine „Auszeiten“ bestehen jetzt darin, das ich Abends einen online Programmierkurs mache. Das fordert mich geistig. Da kann ich mich dann wieder über die Entspannung am Kinderspielplatz freuen.

    Ich denke mir, einer der wichtigsten Dinge im Leben mit Kindern ist, zu lernen sich mit ihnen zu Freuen und Spass mit ihnen zu haben. Und beim Spass haben können wir uns von den Kindern wirklich was abschauen, das haben die nämlich voll drauf 🙂

    1. Dein Kommentar spricht mir so aus der Seele! Mir erging es genauso!!!
      Ich musste mir auch sämtliches zärtliches Verhalten, Spielen, Erziehen, Mitgefühl etc etc bei anderen abschauen! Für mich war das auch überhaupt kein natürlicher Prozess!
      Ich musste das lieben so richtig trainieren.

      inzwischen komme ich gut mit der Mutterrolle zurecht, aber das war bei mir genauso wie du es beschreibst, einfach ein abschauen und dann versuchen, die stressigen Situationen positiver zu bewerten.

  14. Danke für diesen Artikel und eure persönlichen Erfahrungen.
    Tränen laufen mir übers Gesicht, mein Herz klopft und ich umarme meine Entscheidung keine Kinder zu bekommen.

    Ich bin jetzt 38 und in den letzten Jahren war Kinder kriegen oder nicht ein Thema. Und immer wieder der Gedanke: ich kann das nicht! Und ja: ich will das nicht. Ich will meine Selbstbestimmung behalten.
    Und zugleich eine Sehnsucht nach einer Familie. Diese Sehnsucht gibt es weiterhin, doch ich weiß, auch ohne Kinder kann ich glücklich sein, sie sind keine Voraussetzung dafür.

    Liebe Grüße an euch !

    1. Liebe Ulrike, ich denke nützlicher Teil einer Familie kann man auch ohne eigene Kinder sein. Vielleicht hast du ja Nichten oder Neffen, derer du dich im Rahmen deiner Möglichkeiten annehmen kannst – zusätzliche, einigermaßen regelmäßige und einigermaßen verlässliche Bezugspersonen sind enorme Ressourcen für die Kinder, und eine Entlastung für die Eltern, die dadurch auch noch besser für die Kinder da sein können.

  15. Danke für den Artikel!! Ich finde es total wichtig und erleichternd, zu seinen Gefühlen stehen zu dürfen. Nur dann kann man Wege finden, wie alles besser klappt…
    Ich bereue zwar nicht wirklich, Kinder zu haben, aber der Druck von allen Seiten auf mich als Mutter belastet mich sehr. Ich bin selbst hochsensibel und habe oft das Gefühl, alles stürzt auf mich ein oder erdrückt mich.
    Vieles konnte ich mir einfach vor der Geburt meines ersten Sohnes nicht vorstellen und auch die Folgen dadurch nicht einschätzen (dass die Unterstützung durch meine Mutter so schlecht klappt und wir dadurch kaum Entlastung haben, dass mein Mann Konflikte mit meinem älteren Sohn – ebenso hochsensibel – sooo schlecht lösen kann und es deshalb täglich Geschrei und Tränen gibt, dass ich meinen hochsensiblen Sohn bisher nie länger als bis 13:30 in der Schule lassen konnte, weil es ihm einfach völlig zuviel wird….). Ich kann gut nachvollziehen, dass es Frauen gibt, die ihr Muttersein bereuen, weil eben vieles mit Kindern nicht so planbar und vorhersehbar ist…

    Ich finde, es wird leichter, je älter die Kinder werden. Ich hoffe, es geht weiter in die Richtung. Ganz einfach deshalb, weil sie mehr Zeit außer Haus sind und es ihnen gut dabei geht. Dann kann ich guten Gewissens arbeiten, mich auch erholen, auf meine Gesundheit achten etc. UND mich wieder auf die Zeit mit den Kindern freuen…

  16. Mir als Mutter geht es so, dass ich meine Kinder nur bedingt ertrage. Das laute Spielen und Streiten und die ständige Unruhe und das Durcheinander und der Dreck, den sie veranstalten, ist für mich zu Hause unerträglich. Es ist schön, dass mein Ex-Mann mir die Kinder jede 2. Woche komplett abnimmt. Für mich absolut überlebensnotwendig! Meine Inseln der Ruhe und Ausgeglichenheit inmitten des Kinderchaos. Hätte ich das früher gewusst, hätte ich komplett auf das Kinderkriegen verzichtet. Für mich sind Kinder wie Neandertaler, die man halt ertragen muss bis sie dann irgendwann mal ausziehen….

  17. Warum habe ich diesen Artikel nicht schön früher entdeckt? Es tut so gut das zu lesen und es befreit mich ein Stück weit von meinem schlechten Gewissen. Ich empfinde genauso und es ist überwältigend zu wissen, dass ich damit nicht allein bin. Ich bin auch hochsensibel (und introvertiert) Mir ist das aber erst seit ein paar Wochen bewusst. Ich bin 37 und habe immer gedacht und so wurde es mir von meiner Umgebung seit frühester Kindheit vermittelt, dass ich absolut nicht richtig bin. Die Entdeckung der Informationen über diese Persönlichkeitsmerkmale waren für mich wie ein Befreiungsschlag! Beim lesender Merkmale musste ich bei fast allen eifrig nicken und habe laut „Jaaa, genau sooo!“ gerufen.
    Meine Kinder sind 9 und fast 6 Jahre alt. Meine Große hat mit überwältigenden Wutanfällen zu kämpfen. Außerdem ist die Geschwisterrivalität sehr groß und es gibt auf ihrer Seite viel Eifersucht. Es entsteht also viel Streit und Geschrei und somit sehr viel Lärm und heftige Stimmungsumbrüche, die ich alle miterlebe. Ich glaube auch, dass beide Kinder die Hochsensibilität von mir geerbt haben. Ich komme täglich an meine Grenzen und weit darüber hinaus! Ich leide und es gibt oft keine Möglichkeit mich zurückzuziehen, da ich die meiste Zeit allein mit den Kindern bin. Ich liebe meine Kinder sehr und ich möchte stets das Beste für sie und genau das zu erreichen fällt mir so unsagbar schwer! Hätte ich diese Fluten von Gefühlen und Überförderung die auf mich zukommen vorher gewusst, ich hätte mich wohl deutlich gegen Kinder entschieden. Ich bin noch nicht so weit das ganze als lehrreich und für mein Leben und die Entwicklung meiner Persönlichkeit als wichtig und gut betrachten zu können. Vielleicht werde ich das auch nie. Das weiß ich noch nicht. Momentan ist es eher ein Überleben. Natürlich gibt es schöne Momente, die ich sehr genieße, aber auch für mich wiegen sie die Schwierigkeiten nicht auf.
    Gut dass ich diesen Bericht nun gefunden habe, allein die Tatsache zu wissen, dass ich nicht allein bin verändert schon ganz viel für mich!
    Liebe Grüße

  18. Hallo an alle hochsensiblen Mütter da draußen,
    Vor drei Jahren hatte ich (Mutter von drei Mädchen 5,6,7 Jahre alt) eine schwere Depression und bin genau auf dieses Thema gestoßen. Das war für mich auch ein Aha Erlebnis. Als Tipp: es gibt ein wahnsinnig tolles Buch von Brigitte Schorr zu diesem Thema, das mir sehr geholfen hat.
    Ich bin nicht mehr die Marionette meiner Kinder, und v. a. meiner Vorstellungen und der Konventionen.
    Mittlerweile bin ich immer noch oft überfordert, gehe noch in Therapie, aber grundsätzlich fühle ich mich gut. Es ist alles in Balance (mit Kindern, 20h Job, Hund).
    – In meinem Haus ist es unordentlich. Ich hasse es. Aber ich habe mein eigenes kleines Zimmer und da ist es so, wie ich das mag. Alles andere wird später wieder schön sein…
    – Meine Kinder essen sehr ungesund seit Jahren schon. Aber bevor mir graue Haare wachsen wegen den täglichen Kämpfen, warum sie nicht andere Dinge essen, lasse ich das mittlerweile. Meine große Tochter ist selbst HSP und bevor sie etwas isst, das ‚ihre Zunge‘ nicht mag, verhungert sie lieber. Dabei wollen wir sie alle nicht hungrig erleben, sie wird ein anderer Mensch, absolut jähzornig.
    – Vor drei Jahren habe ich auch unglaublich gekämpft, dass wir alle an jedem Wintertag mindestens eine halbe Stunde draußen sind. Die Mädels wollten alle nicht und unser aller Laune wurde immer schlechter. Danach waren wir alle böse aufeinander und super gestresst. Solche Aktionen lasse ich sein. Dann gehen wir halt nicht mehr nach draußen. Bzw ich gehe nicht mehr als Leitwolf. Wenn sie freiwillig gehen – umso besser. Dann können sie auch gerne mit dem Hund mit spazieren kommen. Aber ansonsten ist der Spaziergang meine Auszeit, die ich so dringend brauche!
    – Und, bevor ich wieder zusammen klappe, setze ich die Mädels als letztes Mittel auch mal vor den Fernseher. Nicht pädagogisch gut, aber für mich manchmal überlebenswichtig.

    Ihr Lieben. Übt Euch in Akzeptanz. Stellt nicht zu hohe Ansprüche an Euch selbst und das Muttersein. Allein das unperfekte ist authentisch und nur das wollen Eure Kinder bei Euch sehen. Dass Ihr selbst Grenzen habt und sie einhaltet.

    Ich wünsche Euch viel Kraft! Ihr seid nicht allein! Wir sind sowieso viele da draußen.

    Alles Liebe Melanie

    1. All eure Kommentare zu diesem tollen Artikel berühren mich sehr. Auch ich hin hochsensibel und kämpfe mich durch den Alltag mit Kleinkind, Selbständigkeit, Hund, Haushalt als manchmal gefühlt Alleinerziehende. Es berührt mich zutiefst zu wissen, dass ich nicht allein bin. Danke und ganz liebe Grüße an euch alle da draußen

  19. Ich wusste schon 5 Jahre vor der Geburt meiner Tochter, dass ich HSP bin. Damals hat es mir hundert Steine von der Brust genommen – endlich wusste ich warum ich mich immer anders und nie „richtig“ gefühlt habe. Oft hatte ich den Gedanken ich wäre in dieser Welt nicht lebensfähig. So ging ich über die Jahre durch viele Hochs und extreme Tiefs und fand meine Wege damit umzugehen. Mir Auszeiten zu nehmen, auf mich zu achten, zu meditieren, usw.

    Dann kam meine Tochter.
    Schon die Schwangerschaft war irgendwie schwierig. Vom ersten Tag an hatte ich das Gefühl mich selbst zu verlieren. Und danach war nichts wie vorher. Jede meiner über Jahre erarbeiteten Strategien zu meiner persönlichen „HSP-Notstand-Regulierung“ war für den Ar*
    Nichts davon war um- und einsetzbar und einfach alles war eine Katastrophe – Stillen, essen, schlafen… Andere Mütter kamen mir wie Vollprofis vor. Die haben alles so leicht genommen. Und ich war ständig nur in Panik und kurz vor dem Zusammenbruch. Jeder Tag allein mit meinem Baby war für mich der Horror.
    Dafür im Umfeld Verständnis zu finden war kaum möglich. Und mit den ganzen klugen Ratschlägen (mein Favorit: entspannte Eltern, entspanntes Baby!) wollte und konnte (!) ich mich nicht mehr auseinander setzen. Ständig hatte ich das Gefühl ich müsste erklären, warum ich das was sie mir raten nicht schaffe umzusetzen. Ich bin dadurch kaum noch unter Leute gegangen und mein Freundeskreis ist weitgehend weggebrochen.
    Und dann dieses Baby dass so viel weint und man einfach nicht weiß, was man damit anfangen soll… Ja, es ist verdammt schwer, das alles nicht zu bereuen und sein Leben zurück haben zu wollen.
    Heute ist sie 12 Monate alt und mit jedem Tag den sie älter wird, wird es besser. Mein Mann musste den Job wechseln um mehr bei uns zu sein und meine Mutter ist dreimal in der Woche da um mich zusätzlich zu entlasten. Das alles macht ein sehr schlechtes Gewissen! Ich bin da weit entfernt von der super Hipp-Mutter…
    Irgendwo zwischen meinen tausend ambivalenten Gefühlen ist auch Liebe für mein Kind. Aber manchmal fühlt sich mein Körper zu klein an um die alle unterzubringen und ich will einfach nur meine Ruhe um das Chaos zu sortieren… Und dann, ja dann ist mir wieder eingefallen dass ich ja HSP bin. Und wieder fallen neue Steine vom Herzen, denn ich kann nichts dafür dass ich nicht so belastbar bin wie ich gerne wäre, denn ich bin bereits so belastet. Es gibt mehr von uns – und auch das macht Mut! Der Artikel und die offenen Kommentare helfen mir, mich selbst besser zu verstehen und zu sehen welche Herausforderung die Mutterschaft bedeutet wenn man weniger Filter hat. Es keimt die Hoffnung auf, dass es vielleicht doch möglich ist, irgendwann offen darüber reden zu können – und Mitgefühl und Verständnis, anstatt entgeisterte Blicke zu ernten – dass die Mutterrolle einen heillos überrollen kann.

    Alles Liebe

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