Gesundheit

Übung vor dem Zubettgehen: Gedanken schließen

Kennen Sie das auch? Es ist später Abend. Der Tag war wieder einmal viel zu stressig. Sie liegen völlig erschöpft im Bett und wollen nur noch eins: schlafen!

Doch statt zufrieden ins Reich der Träume zu gleiten, grübeln Sie über den vergangenen (oder auch den kommenden) Tag nach: „Was ist heute alles passiert? Was habe ich vielleicht falsch gemacht? Wie war dieser Gesichtsausdruck meines Kollegen zu deuten, ist er sauer auf mich? Habe ich meiner Tochter geduldig genug ihre Hausaufgaben erklärt? Werde ich meine Aufgaben morgen wirklich alle schaffen?“ Das Gedankenkarussell ist in Fahrt gekommen und an Schlaf ist überhaupt nicht mehr zu denken …

Die allermeisten Hochsensiblen werden eine ähnliche Situation bereits erlebt haben. Manche schlagen sich sogar allabendlich damit herum. Falls auch Ihnen das Grübeln im Bett bekannt vorkommt, möchte ich Ihnen die Übung „Gedanken schließen“ ans Herz legen. Sie kann Ihnen dabei helfen, das Karussell konsequent zum Stehen zu bringen, sodass der Schlaf rasch kommen kann! Ausgeführt wird die Übung am besten schon vor dem Schlafengehen, doch auch im Bett kann sie noch sehr hilfreich wirken.

Probieren Sie die Übung doch heute Abend gleich einmal aus!

Übung vor dem Zubettgehen: Gedanken schließen

Setzen Sie sich gemütlich aufs Sofa, vielleicht mit einer Tasse Tee, und lassen Sie den Tag bewusst Revue passieren. Erinnern Sie sich an alles Schöne, das Ihnen heute widerfahren ist. Aber lassen Sie auch die unangenehmen Gedanken zu, die jetzt womöglich nach Beachtung rufen.

Setzen Sie sich einen ausreichenden, aber möglichst knappen Zeitrahmen für diese Rückschau, zum Beispiel fünf Minuten.

Und nach diesen fünf Minuten ist Schluss! Sie fahren sozusagen Ihren inneren Computer herunter. Bei allem, was Sie jetzt noch belastet, bei jedem Gedanken, der einfach nicht verschwinden will, sagen Sie sich innerlich: „Schließen!“, als würden Sie eine Datei auf dem Computer schließen.

Ein Gedanke steigt auf – „schließen“. Eine Sorge galoppiert heran – „schließen“. Ein Problem schleicht sich an – „schließen“.

Ganz unaufgeregt und sachlich schließen Sie auf diese Weise einen Gedanken nach dem anderen.

Es macht nichts, wenn das Ganze etwas länger dauert. Setzen Sie sich nicht unter Druck, sondern fahren Sie einfach gelassen damit fort, einen Gedanken nach dem anderen wahrzunehmen … und bewusst zu schließen.

Alternativ können Sie sich auch sagen: „Speichern und schließen!“ Das kann Ihnen ein Gefühl der Sicherheit verleihen, denn so geht nichts, was Ihnen wichtig erscheint, verloren; es darf am nächsten Tag in aller Ruhe wieder angeschaut werden. Für den Abend und die Nacht aber bleibt es geschlossen, denn in Ihrem Schlaf hat es nichts zu suchen! Alles hat seine Zeit.

Führen Sie die Übung so lange durch, bis Ihre Gedanken merklich zur Ruhe gekommen sind.

Ich wünsche Ihnen eine gute und erholsame Nacht!

Leicht verändert entnommen aus dem Buch: Julie Leuze, „Gestresst? Gelassen! Stressbewältigung (nicht nur) für Hochsensible. Ein Praxisbuch“, Festland Verlag 2021

8 Gedanken zu „Übung vor dem Zubettgehen: Gedanken schließen

  1. Hallo zusammen. Der Trick mit dem ‘Gedanken herunterfahren’ ist gut. Ich habe aber für mich schon vor Jahren entdeckt, daß, wenn ich einfach in Gedanken folgenden Satz immer wiederhole, ich überall und schnell zur Ruhe komme. Dieser Satz lautet ganz einfach
    “An Nichts denken”.
    Praktisch eine Autosuggestion. Klappt hervorragend.
    Schöne Grüße von der Waterkant, aus Ostfriesland.

  2. Danke für diesen Beitrag! Mir hilft gegen das Gedankenkarusell vor dem Einschlafen folgende Übung: Ich richte meine Konzentration nach und nach auf jedes einzelne Körperteil und entspanne dieses. Ich fange bei meinem rechten Fuß an, entspann diesen und schicke meinen Atem dorthin. Gleichzeitig wiederhole ich gedanklich zwei Mal die Affirmation “Mein rechter Fuß ist vollkommen entspannt”. Bevor ich beim Kopf angekommen bin, bin ich meistens schon eingeschlafen. 🙂

  3. Was mir abends beim Einschlafen hilft, ist, ein Hörspiel zu hören. Ich liebe Miss Murple und Sherlock Holmes
    Ich kann mich dann bei der Geschichte so gut entspannen und schlafe bei dem Wirrwarr der verschiedenen Stimmen und Geräusche rasch ein und kann mich damit sehr gut von meinem Gedankenkarussel ablenken. Probiert’s mal aus …
    Meist höre ich eine CD über einen Monat, weil ich meist schon in den ersten 10 Minuten einschlafen und dann nie weiß wer der Mörder war

  4. Ich höre mir gerne die Goldberg Variationen von Bach an. Mich beruhigt diese Musik sehr. Meistens schlafe ich nach der 2. Variation schon ein.

  5. Ich trinke ein großes Glas heisses Wasser. Das beruhigt mein gesamtes System und ich kann gut wieder einschlafen. Ich wache nämlich, wenn ich Stress habe, morgens zwischen drei und vier Uhr auf. Da startet direkt das Gedankenkarussel.
    Herzliche Grüße,
    Claudia

  6. Was auch hilft ist, beim Einatmen Om zu denken, beim Ausatmen Aahhh und in der drauf folgenden Pause Um. Und wieder von vorne. Störende Gedanken werden wahrgenommen, um dann wieder in den Silben-Atemrhythmus zu kommen. Das alles sollte in normalem ruhigen Tempo stattfinden und es ist dabei ganz auf diese Synchronisation zu achten. Diesen Vorgang versuchen zwanzig Minuten zu machen und das am besten jeden Tag. Der Körper kann dann mit der Zeit mit besserem Schlaf reagieren. Manchmal hilft es auch gleich. Ausprobieren!

  7. Was mir am Abend hilft, ist, mithilfe von drei Zetteln meine Gedanken zu ordnen. Als zartbesaitete Person fühle ich mich oft wie ein Schwamm, und wenn ich mich am Abend nicht ordentlich mit meinen Gedanken und Gefühlen des Tages beschäftige, weiß ich, dass mich ein unruhiger Schlaf erwartet.

    Auf den ersten Zettel schreibe ich, was ich loslasse, und warum ich es loslasse. Auf den zweiten Zettel schreibe ich, wofür ich an diesem Tag dankbar war und was mich inspiriert hat, was mir gutgetan hat. Auf den dritten Zettel schreibe ich, was am nächsten Tag auf mich zukommt. Auf diese Weise kann ich mich entspannen und besser schlafen. In wirklich stressigen Phasen reicht das jedoch manchmal nicht aus. Es ist zwar eine gute Methode, aber gelegentlich benötige ich pflanzliche Unterstützung in Form von Bachblüten, Melatonin oder Ashwagandha. Derzeit komme ich mit Ashwagandha am besten zurecht, da es auch die innere Unruhe aufgrund von Reizüberflutung etwas dämpft.

    Ein schöner Artikel, vielen Dank dafür!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert