Gesundheit

Körpertherapien wie z.B. Shiatsu – für HSP

Heute möchte ich über meine ersten Erfahrungen mit Shiatsu schreiben, und warum ich denke, dass Behandlungsmethoden, die am Körper ansetzen (z.B. Shiatsu, Cranio-Sacral-Therapie) gerade für Hochsensible sehr wohltuend sein können.

Schon lange ist mir aufgefallen, dass ich viele meiner wiederkehrenden Probleme zwar „verstehe“ und zu wissen glaube, wo in meiner Biografie sie entstanden sind, aber diese Probleme oder Mißempfindungen trotzdem da sind. Anfang des Jahres wurde ich durch verschiedene Umstände erstmals neugierig auf Shiatsu und ich suchte und fand eine Shiatsu-Therapeutin in meiner Nähe. Von der ersten Sitzung an fühlte ich mich wohl. Zu Beginn plauderten die Therapeutin und ich ein wenig und ich erzählte kurz, wie es mir gerade geht und welche Veränderungen ich mir wünsche. Dann durfte ich mich auf einen großen gemütlichen Futon legen und die Behandlung begann. Während der Behandlung fühlte ich mich sehr entspannt und geborgen. Ich fühlte mich „angekommen“. Immer wieder spürte ich einen tiefen Frieden. Mir wurden ganz unwillkürlich Fehlhaltungen bewusst, durchaus auch im übertragenen Sinn. Hinterher, im Alltag, spürte ich den Drang, hinderliche Verhaltensmuster zu überdenken und achtsamer mit mir selbst umzugehen.

Inzwischen habe ich fünf oder sechs Shiatsu-Behandlungen genossen.  Währenddessen, in den Stunden danach und auch noch in den darauffolgenden Tagen bemerkte ich jedes Mal körperliche und auch seelische Veränderungen. Diese Veränderungen waren immer sanft, von einem Gefühl der Erleichterung begleitet. Ich hatte auch verschiedene konkrete Einsichten zu ein paar meiner chronischen Probleme. Ich fühle mehr Liebe und Mitgefühl für mich selbst und für andere, aber auch eine zunehmende Unwilligkeit, meine chronischen Kümmernisse einfach hinzunehmen. Ich würde sagen, meine Selbstfürsorge hat einen Schub bekommen.

Shiatsu ist eine Form der manuellen Therapie. Sie wurde in Japan entwickelt und hat ihre historischen Wurzeln in Tuina, einer medizinischen Massagetechnik aus China. Shiatsu bedeutet wörtlich „Fingerdruck“. Während der Behandlung versucht der Therapeut eine „energetische Beziehung“ zu dem Patienten herzustellen und bemüht sich um Achtsamkeit, Sensibilität und Offenheit. Beim Berühren des Körpers spürt der Therapeut Verhärtungen, Verspannungen, Ungleichgewichte deutlich und kann unverzüglich darauf einwirken.

Die Cranio-Sacral-Therapie ist ebenfalls eine manuelle Behandlungsform, sie hat sich aus der Osteropathie entwickelt. Dann gibt es auch noch Rolfing.

Ich habe mich für Shiatsu entschieden, aber ich kenne HSP, die mit Osteopathie, Cranio-Sacral-Therapie oder Rolfing schöne Ergebnisse erlebt haben. Das Schöne und Interessante ist, dass diese manuellen Verfahren nicht nur bei körperlichen Problemen wie Rückenverspannungen oder Kopfschmerzen wirken können, sondern auch unser seelisches Befinden beeinflussen, uns dabei unterstützen uns von hinderlichen chronifizierten Emotionen zu befreien, und uns helfen können, mit uns selbst ins Reine zu kommen.

Durch meine langjährige Mitarbeit bei der Plattform „zart besaitet“ habe ich mir natürlich schon viele Gedanken über meine eigene Hochsensibilität und allgemein über Hochsensibilität gemacht. Ich konnte hunderte HSP kennenlernen und viele ausführliche persönliche und auch beratende Gespräche führen. Viele Hochsensible sind wegen ihrer größeren Reizoffenheit verletzlicher. (Siehe Blogbeitrag Suchttendenzen, Scham und Hochsensibilität) Wie schon gesagt, ich habe das Gefühl, dass Shiatsu und andere Therapien und Behandlungen, die direkt am Körper ansetzen, nicht nur für mich, sondern für viele hochsensible Menschen wertvoll sein können. Zwei Aspekte sind mir dabei besonders aufgefallen:

  • Erstens:
    Viele Hochsensible fühlen sich von anderen Menschen nicht wirklich gut verstanden. Das ist nicht verwunderlich, denn Hochsensible haben eine sehr genaue und detailreiche Wahrnehmung. Das unterscheidet sie nicht nur von den weniger Sensiblen, sondern auch von anderen Hochsensiblen, die den Schwerpunkt ihrer Wahrnehmungsstärke vielleicht in anderen Bereichen haben, die ganz andere Biografien und vielleicht auch ein anderes Weltbild haben. Viele Therapien und Coachings setzen sehr stark auf Gespräche, auf den sprachlichen Selbstausdruck. Der Therapeut oder Coach ist vielleicht sehr empathisch, aber kann trotzdem nicht immer ermessen, wie der Klient fühlt und wahrnimmt; was es bedeutet, „in seinen Schuhen“ durchs Leben zu gehen. Bei einer Intervention, die vor allem darauf aufbaut, dass man sich sprachlich vermittelt und vom Therapeuten empathisch begleitet wird, haben Hochsensible zwar den Vorteil, dass sie sich oft sehr gut ausdrücken können, aber andererseits den Nachteil, dass ihre Wahrnehmungen oft so komplex sind, dass sie kaum vollständig vermittelt werden können. So geschieht es oft, dass ein Therapeut in bester Absicht etwas Empathisches sagen möchte, der hochsensible Klient aber das Gefühl hat, dass dieser an ihm vorbeiredet und ihn nicht richtig verstanden hat. So mancher Hochsensible hat schon eine Therapie abgebrochen wegen des Gefühls, dass der Therapeut zwar ein freundliches Gesicht macht und aufmunternde Worte von sich gibt und einen vielleicht wirklich gern hat, er aber nicht ganz versteht, wer man ist, was man mitgemacht hat und wofür das eigene Herz schlägt. Eine Therapieform jedoch, die spezifisch am Körper ansetzt, ist nicht auf emotionales oder intellektuelles Verständnis der Biografie und der aktuellen Herausforderungen angewiesen.
  • Zweitens (das gilt für alle Menschen, nicht nur für Hochsensible):
    Viele emotionale Probleme und wiederkehrende Lebensthemen haben ihre Wurzeln in vorsprachlichen Zeiten, als wir noch sehr kleine Kinder waren, oder gar schon im Mutterleib. Dies in Worte zu fassen wird zwar immer wieder mehr oder weniger erfolgreich versucht, aber das können nur Annäherungen sein. Es ist oft nicht vermittelbar, und selbst für die Betroffenen nicht immer zu verstehen. So manche Angst, so manches Fremdheitsgefühl, Traurigkeit uvm wurden uns schon im Mutterleib eingeprägt. Viele Menschen beginnen eine Therapie, weil sie diese Themen verstehen und transformieren möchten. Oft geschieht es jedoch, dass zwar Therapeut und Klient eine Einigkeit darüber erzielen, dass in der Biografie, in der frühen Kindheit, etwas nicht gut gelaufen ist und dass das schlimm ist. Das Wissen darüber ist natürlich erleichternd, weil man sich selbst besser versteht, weil man sich vielleicht weniger Selbstvorwürfe macht, und weil man gezielt Strategien für eine bessere Lebensgestaltung erarbeiten kann. Aber oft ändert dieses Wissen nicht viel an der Symptomatik, an alten unangenehmen Gefühlen und Haltungen. Denn frühe traumatische Erfahrungen sind im Körper gespeichert und sie können durch Denken oder durch Reden oder durch ein empathisches Gegenüber nur minimal beeinflusst werden. Die Symptome verschwinden nicht allein dadurch, dass man ihre Entstehungsgeschichte erklären kann. Sehr alte Emotionen sitzen im Körper fest, vor allem in den Faszien, und können dort gelöst werden. Manche meinen, sie können NUR dort gelöst werden.

Bei Shiatsu usw. ist es nicht notwendig, dass der Behandelnde die Biografie oder die Probleme und Herausforderungen des Klienten versteht. Der Körper wird sehr achtsam und mit profundem Hintergrundwissen „behandelt“. Das tut dem Körper gut, und die Seele kann sich geborgen und „zu Hause“ fühlen. Ich kann meine Probleme, Herausforderungen und Lebensthemen für eine Zeit loslassen – nicht so wie im Schlaf, sondern wach, lebendig und klar. Ich empfinde es wie Urlaub von den eigenen Problemen und von der eigenen Biografie. Ein Urlaub, der mich erfrischt und mir neue Liebe und neues Verständnis für mich und mein Leben schenkt.

Schmuckschatulle am Sandstrand

Ich bin schon gespannt, wie sich die Behandlungen langfristig auswirken und werde vielleicht wieder darüber schreiben.

Herzliche Grüße,
Liesi

Mehr Informationen über Shiatsu findet ihr beim Europäischen Shiatsu Institut:
Deutschland: https://www.shiatsu.de/
Österreich: https://www.esi-austria.at/
Schweiz: https://www.shiatsu-institut.ch/
Infos über Cranio-Sacral-Therapie: https://www.cranioverband.org/

2 Gedanken zu „Körpertherapien wie z.B. Shiatsu – für HSP

  1. Liebe Liesi!
    Ich freue mich sehr, dass Dir mein Shiatsu so gut tut!
    Ja, die satte Berührung, das Wahrlich-gemeint-sein, das Sich-durch-die-Berührung-gesehen-und-erkannt-fühlen – ja, das ist es, was ich am Shiatsu so liebe!
    Und natürlich, dass es einfach immer und immer wieder so wundervoll und unkompliziert wirkt!
    Danke für Dein Vertrauen und Dein Dich-Einlassen in meine Arbeit!
    Herzlichst, Irene
    http://www.lebenskraft-auf-fingerdruck.at

  2. Liebe Liesi,
    vielen Dank für den tollen Artikel – genau so ist es.
    Was ich einbringen kann: Auch die Feldenkrais-Methode wirkt super über und auf die Körperwahrnehmung und das Gehirn. Und bei dieser Methode gibt – neben Einzelbehandlungen – auch Gruppenstunden, wo man selber mit seinem Körper arbeitet – viele Hochsensible haben ja das Bedürfnis nach Autonomie und werden nicht so gerne berührt.
    ganz liebe Grüße
    Eva

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