Hochsensibilität und Lärmempfindlichkeit

Bei den Informationstreffen, die wir vom Verein „Zart besaitet“ regelmäßig veranstalten, ist Lärmempfindlichkeit ein immer wiederkehrendes Thema, das die Teilnehmer einbringen. An der eigenen Sensibilität für Lautstärke wird für viele erkennbar, dass die Menschen sehr unterschiedlich viel ertragen. Zum Beispiel zeigt sich dies am Unverständnis vieler Mitmenschen, wenn wir sie bitten die Musik leiser zu stellen oder eine andere Art von für sie völlig normalem oder sogar angenehmen Lärm einzuschränken. Daran können – oder müssen- wir unsere Andersartigkeit erkennen.

Die Schwerpunkte hoher Sensibilität lassen sich grob in drei Bereiche unterteilen: körperlich/sensorisch, seelisch/gefühlsbetont und geistig/intellektuell. Der körperliche Bereich umfasst eben die Empfindsamkeit des Körpers und der Sinnesorgane. Hochsensible, die den Schwerpunkt ihrer Sensibilität im körperlichen Bereich haben, nehmen sinnliche Reize stärker und bewusster wahr als nicht Hochsensible, aber auch viel stärker als andere HSP, die ihren Schwerpunkt in einem anderen Bereich haben, vielleicht im seelischen/gefühlsmäßigen. Das heißt:

Nicht alle Hochsensiblen sind besonders lärmempfindlich!

Hochsensible, die im körperlich-sensorischen Bereich besonders sensibel sind, können oft kaum glauben, dass nicht alle Hochsensiblen zwangsläufig lärmempfindlich sind. Doch das ist eine Tatsache. Auch in den Discos, in denen man sich zur Verständigung anschreien muss, tummeln sich nicht wenige HSP. Zugegebenermaßen stellt die sich daraus ergebende Überstimulation für manche eine Art von Rauschzustand dar, der ihnen einen veränderten Bewusstseinszustand beschert, den sie genießen. Es gibt sehr sensible Menschen, die sich an solchen lauten Orten aufhalten, und für die die Annehmlichkeiten eines solchen Ereignisses die Belastungen klar überwiegen. Das ist schwer nachzuvollziehen für jene von uns, für die jede Minute an solch einem Ort als körperlich schmerzhaft erlebt wird, aber es ist ein Fakt.

Für die Lärmempfindlichen unter uns wäre der einfachste Schutz vor dieser Art von Belastung, vorhersehbar laute Situationen zu meiden. Das ist aber nicht immer möglich. Darum empfehlen wir allen Hochsensiblen, die lärmempfindlich sind, immer einen hochwertigen Gehörschutz mitzuführen. Verwenden Sie bei Bedarf Ohrenstöpsel. Es gibt fast für jeden ein geeignetes Modell. Hier geht es zu unserem  Ohrenstöpsel- Test.

Die psychische Komponente von Lärmempfindlichkeit

Nicht zu unterschätzen ist jedoch in vielen Fällen die psychische Komponente, d.h. unsere Reaktionen auf den Lärm. Wenn bestimmte Geräusche auffällig mehr belasten als andere, obwohl sie nicht lauter sind als andere, lassen sich psychische Zusammenhänge vermuten.

Das heißt, dass nicht die hochsensiblen Ohren für die unangenehmen Gefühle, die durch den Lärm entstehen, verantwortlich sind, sondern dass gewisse Geräusche mit traumatischen bzw. sehr belastenden Situationen der Vergangenheit verknüpft sind. Diese Verknüpfungen können manchmal durch Nachdenken und Erinnern erkannt werden, aber nicht immer. Oft sind sie völlig unbewusst. Ein Indiz für so eine unbewusste Verknüpfung könnte sein, dass jemand den Verursacher des Lärms für charakterlich minderwertig oder böse oder hassenswert hält, und/oder mit Agressionen oder Verzweiflung auf auftretenden Lärm reagiert.

Werden die Ursachen – z.B. alte Verletzungen durch Gewalt, Gefühle von Ohnmacht in der Kindheit, lauter Streit in der Herkunftsfamilie – erkannt und heilend integriert, verschwindet die spezielle Empfindlichkeit gegen diese Art von Geräuschbelastung oft recht schnell.

Andere Gründe für eine erhöhte Lärmempfindlichkeit

Die im vorhergehenden Absatz besprochenen Zusammenhänge können natürlich auch bei nicht hochsensiblen Menschen auftreten.

Immer dann wenn Lärmempfindlichkeit als einziges oder mit Abstand wichtigstes Indiz für eine Hochsensibilität genannt wird, drängt sich die Vermutung auf, dass es sich dabei nicht um einen genetisch hochsensiblen Menschen handelt, sondern dass diese begrenzt auftretende Sensibilität durch negative biografische Erfahrungen entstanden ist.

Besonders nahe liegt diese Vermutung dann, wenn es sich um die Empfindlichkeit gegen ganz bestimmte Arten von Lärm oder lauteren Geräuschen handelt, z.B. laute Frauenstimmen oder das Klappern von Geschirr. In so einem Fall können einige wenige Sitzungen mit einem guten Traumatherapeuten wertvolle und sehr erleichternde Verbesserungen bringen.

Mögliche Krankheiten:

Es gibt eine Reihe von Krankheiten und gesundheitlichen Störungen, die zu einer erhöhten Lärmempfindlichkeit führen können. Eine gute Zusammenstellung möglicher Krankheiten, die zur Geräuschempfindlichkeit führen können, finden Sie auf der Webseite der medizinischen Datenbank symtomat.deBei ausgeprägter Lärmempfindlichkeit, besonders bei hohem Leidensdruck, raten wir immer zu einer gründlichen Untersuchung durch einen Facharzt.

Für alle Menschen, die einfach ein feineres – hochsensibles – Gehör haben, empfehlen wir ein selbstbewusstes Bekenntnis zu dieser Empfindlichkeit, die auch viel Positives ins Leben bringen kann.

Konkrete Tipps

  • Achten Sie darauf, dass Sie möglichst viel Kontrolle erhalten über das, was Sie hören können oder müssen. Achten Sie auf eine ruhige Umgebung, und sorgen Sie nach Möglichkeit für angenehme Geräusche (Türklingel, Handy-Klingelton,. . .)
  • Freunden Sie sich mit irgendeiner Art von Gehörschutz an. Tragen Sie diesen immer mit sich, im Falle von unerwartetem Lärm, z.B. durch Baustellen. Tipp: Die Webseite www.sonicshop.de bietet eine große Auswahl an Gehörschutz wie z.B. Ohrenstöpsel für unterschiedlichste Zwecke und Bedürfnisse.
  • Entspannen Sie bewusst Ihren Hals, Nacken und Schultern. Dies ist nicht nur angenehm, sondern hat auch eine gewisse vorbeugende Wirkung gegen einen Gehörsturz.