Selbstliebe

Sich selbst lieben – aber wie?

Allerlei Ratgeber verschiedener psychologischer oder esoterischer Richtungen empfehlen die Selbstliebe, und auch im Christentum lautet eines der wichtigsten Gebote „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Also nicht weniger als sich selbst, aber auch nicht mehr. Was allerdings kaum wo zu finden ist, sind klare Anleitungen, wie denn diese Selbstliebe zu erzielen sei.

Eine der großen Ausnahmen sind die Bücher von Gay und Kathlyn Hendricks. Eine simple und effektive Technik aus ihrem Repertoire möchte ich hier vorstellen.

  • Erinnere dich an eine Situation aus deiner Kindheit, in der du jemanden oder etwas intensiv geliebt hast. Vermeide dabei Situationen mit Nahbeziehungen (Eltern, Geschwister), weil wir hier ein reines Gefühl wollen, ohne subtile Beimischungen von Zurückweisung, Abhängigkeit und ähnlichem aus anderen Situationen mit der selben Person. Ein Stofftier, ein Haustier, oder etwas entferntere Personen, wie eine geliebte Tante oder ein Großvater eignen sich meist sehr gut.
  • Stell dir vor das Objekt deiner Liebe sei vor dir, und erwecke die Liebe von damals in deinem Herzen. Mit geschlossenen Augen richte deine Aufmerksamkeit auf das vorgestellte Liebesobjekt, und lass deine Liebe fließen. Fahre damit fort bis du spürst wie die Liebe aus deinem Herzen strömt, hin zu dem Objekt deiner Liebe.
  • Beginne mit diesem Liebes-Strahl ein bisschen zu spielen – lenke ihn ein bisschen nach links, dann nach rechts, ein wenig nach oben, dann nach unten.
  • Sobald das leicht geht (viele Menschen erleben es wie ein Spielen mit dem Gartenschlauch) beginne den Strom deiner Liebe immer steiler nach oben zu lenken, bis der Strahl von oben auf dich selbst niederfließt. Lasse die Liebe auf dich selbst zurück fließen, so wie wenn du einen Gartenschlauch zurück auf dich selbst richtest. Für manche geht es besser, wenn sie zuerst nur einen kleinen Teil dieses Strahls auf sich zurücklenken, für andere ist das kompliziert, die tun sich leichter wenn sie den ganzen Strahl auf einmal umlenken. Experimentiere damit und fahre fort, bis die gesamte Liebe, die aus deinem Herzen strömt, sich auf dich selbst ergießt.
  • An dem Punkt kannst du das vorgestellte Objekt deiner Liebe verblassen lassen, und dich im Strahl deiner Liebe baden.
  • Manche Menschen tun sich schwer mit dem „Umdrehen des Schlauches“. Die können auch versuchen, das Objekt der Liebe immer näher heran zu holen, eventuell etwas schrumpfen lassen, und es dann in die eigene Körpermitte zu schieben. Ist das geschafft und die Liebe fließt immer noch, ist der nächste Schritt das langsame Verschwinden lassen des Objekts.
  • Mit etwas Übung wirst du das einleitende Ritual immer weniger brauchen, und dich auch in besagter Weise selbst lieben können, auch wenn du nicht so konzentriert bist.

Diese Art der Selbstliebe hat mehrere große Anwendungsgebiete:

  • Für die Selbstheilung – wer sich mit schwierigen Inhalten der eigenen Persönlichkeit befasst (egal ob schmerzliche Erinnerungen, eigene Charakterschwächen, etc.), kann mit Selbstliebe diesen unangenehmen Dingen leichter ins Auge schauen. Und psycho-emotionale Heilungsprozesse sind üblicherweise viel schneller abgeschlossen, wenn sie von Selbstliebe begleitet sind.
  • Zur Bewältigung emotional anstrengender Situationen – wenn wir uns angegriffen fühlen oder ungerecht behandelt, Angst haben unsere Meinung zu sagen oder ähnliche Herausforderungen sind meist viel weniger bedrohlich, wenn wir es schaffen dabei die Selbstliebe „einzuschalten“.
  • Wenn wir jemanden in einer schwierigen Situation begleiten – sei es in heilender, therapeutischer Funktion, oder als Freund, so ist es leichter mitfühlend zu sein, ohne allzu sehr „runtergezogen“ zu werden, wenn wir uns selbst lieben dabei. Wer darüber hinaus auch die andere Person lieben kann, mag das ruhig tun, aber in einer solchen Situation nur dem anderen Menschen Liebe zufließen zu lassen ohne sich selbst zu lieben ist oft für die begleitete Person zusätzlich belastend und für den Begleiter viel anstrengender.