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Einführung in die einfühlsame PK-Gestaltung

"Für die Erde sorgen,
für die Menschen sorgen,
und die Überschüsse teilen"
- das ist die der Permakultur zugrunde liegende Ethik. Dahinter steht die Absicht, unsere (der Menschen) Abhängigkeit vom Gedeihen der Erde anzuerkennen, und unserer Bedürfnisse mit denen der Erde in Harmonie zu bringen. Zwar war es im Zuge der menschlichen Individuation wichtig, uns von der Erde abzutrennen, doch jetzt ist es an der Zeit, nach den Phasen der unbewussten Gaiaverschmolzenheit und dann der immer bewussteren Individualität zur Synthese aus beiden fortzuschreiten: zur bewussten Verschmolzenheit. Ebenso zerstörerisch wurde die Tendenz, Gefühle von Sicherheit aus dem Versorgung-Haben zu beziehen, und nicht aus dem Im-Versorgungsfluss-Sein - deshalb das Teilen der Überschüsse.

Permakultur (PK) ist mit obiger Absicht eine Methode zur Gestaltung und Aufrechterhaltung menschlicher Lebensräume, Unterstützungsprozesse und -systeme nach dem Vorbild stabiler Naturräume, -prozesse und -systeme. Oder mit anderen Worten: es geht darum, Lebensräume zu gestalten und dauerhaft zu bewohnen, die mit der Stabilität, Resilienz, Eigendynamik und Selbstheilungsfähigkeit funktionieren, wie von der groben menschlichen Intelligenz unberührte Natursysteme.

Um so eine Gestaltung vornehmen zu können müssen wir zuerst die natürlichen Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten sowie ihre für unsere Region relevanten Manifestationen kennen und gut verstehen. Dazu dienen uns

  1. die von Anderen aus Beobachtungen abgeleiteten Abstraktionen (PK-Publikationen und Kurse; aber auch das I Ging, das sich zu 100% aus den Erkenntnissen energetischer Natur-Zusammenhänge herleitet, und die zugrundeliegenden Beobachtungen teilweise noch immer in den Zeichen und Linien erklärt sind),
  2. die kommunizierten Beobachtungen Anderer (PK-Publikationen und -Erfahrungsaustausch, Erfahrungen der Eltern und Großeltern, Nachbarn, etc.), aus denen wir unsere eigenen Schlüsse ziehen um diese als zu verifizierende Arbeitshypothesen in unser Arbeiten einfließen zu lassen, und
  3. natürlich vor allem die eigenen Beobachtungen, wenn wir mit offenen Herzen und unvoreingenommenen Köpfen die natürlichen Kräfte bei ihrem Wirken erleben.

Weiters brauchen wir ein Vertrausensverhältnis mir unserem Areal. Um dieses aufzubauen müssen wir uns mit dem Platz verbinden indem wir

  • ihn studieren,
  • ihn erforschen,
  • uns ihm nähern, und
  • mit ihm kommunizieren.

Studieren tun wir den Platz, indem wir bestrebt sind, möglichst viel über seine Geschichte zu erfahren, über die Menschen und Schicksale, die ihn bisher belebt und dominiert haben, über seine Verflechtungen mit der Nachbarschaft und dem umliegenden Land, die bisherigen Nutzungen und die Pläne der Vorbesitzer. Auch indem wir uns mit den vorhandenen Wetterdaten, Informationen über Bodentypen, etwaig vorhandenen vergangenen Bodenproben usw. beschäftigen, aber auch mit dem Katasterplan, etwaigen Flugaufnahmen, und einer 1:50.000er Wander-Karte von Freytag&Bernd (das ist die detaillierteste Karte die es für jeden Platz in Österreich gibt; es exisiteren auch 1:25.000er, das sind aber nur Vergrößerungen der 1:50.000. Sie enthalten nicht mehr Details, haben aber den Nachteil, dass die Darstellung über beide Seiten des Blattes reicht, und daher nicht so übersichtlich sind, und auch nicht aneinandergefügt werden können um z. B. eine große regionale Wandkarte zu ergeben).

Erforschen tun wir das Areal, indem wir es mit den Augen, der Kreativität und der Freiheit des neugierigen Kindes in uns auskundschaften. Das reicht vom Durchstöbern aller Dachböden, Scheunenwinkel, Keller usw. vielleicht bis zum Umgraben des Komposthaufens, des Kletterns auf die Bäume, dem Bestimmen aller vorhandenen Wildpflanzen, dem Beobachten der Igel (nächtlich), der sich paarenden Regenwürmer (vorsonnenaufgänglich), des Wildes (frühmorgens), der Flugbahnen der Bienen (sonnentäglich) und der Schnecken (bei Regen), dem Betreiben einer eigenen kleinen Wetterstation, dem Hinunterklettern in einen vorhandenen Brunnen (mit sichernder Begleitung), dem Buddeln von Löchern, und und und.

Nähern können wir uns dem Platz passiv und aktiv.
Passiv indem wir ihn beobachten und ihm zuhören, an möglichst vielen verschiedenen Stellen zu allen Tages- und Jahreszeiten stehen/sitzen/liegen, und mit leerem Kopf und ohne Programm sinnlich wahrnehmen durch Schauen, Horchen, Riechen, Fühlen und Schmecken. Dabei ist es nicht notwendig, dies zu einem eigenen Programmpunkt zu machen, sondern am besten erlauben wir uns die Muße, wenn es uns überkommt wärend wir gerade sonst irgend etwas tun am Grund oder im Haus, mit unserer Aufmerksamkeit ganz ins Hier und Jetzt zu driften, und einfach zu sein, und den Platz auf uns wirken zu lassen, in einer Art höchst wachsamer Trance.
Aktiv indem wir in dem Areal unseren Platz bescheiden aber auch selbstbewusst einnehmen. Sei es indem wir das Haus saubermachen oder einen Wohnwagen hinstellen - wir sehen uns nicht als Eindringling oder Fremdkörper, sondern als neuer Teil des Ganzen, und mit Respekt für den Platz und uns selbst schieben wir das Vorhandenen zurecht und teilweise ein wenig zur Seite, damit wir uns fürs Erste mal wohlfühlen dort.

Kommunizieren mit dem Platz funktioniert am Besten, indem wir die verschiedensten größeren und kleineren Einheiten ansprechen, entweder laut oder innerlich (Gedanken sind lauter als Donner) — wichtig ist dabei nur, dass wir tatsächlich kommunizieren, d.h. Botschaften schicken, so wie wenn wir mit Menschen oder Haustieren sprechen. Wenn wir uns im Zuge unserer alltäglichen erledigungen durch Haus und Garten bewegen, gibt es tausenderlei Anlässe für Kommunikation. Besonders förderlich ist es, alles (Tiere, Pflanzen, Dinge) vorzuwarnen, ehe wir irgendetwas mit ihnen tun, um sie sozusagen aus ihrer Trance oder ihrer Meditation zu holen, damit sie nicht erschrecken wenn sie dann genommen oder sonstwie gehandhabt werden.

Ebenso können wir gut mit Räumen kommunizieren, sie beispielsweise begrüßen wenn wir sie betreten, oder sie auf bevorstehende Veränderungen in ihnen vorbereiten. Kellerräume sollten wir von Weitem vorwarnen, dass wir uns nähern, speziell, wenn wir zu unüblichen Zeiten kommen (wer weiß, was die Geister dort gerade treiben?). Wenn wir etwas aus dem Keller holen können wir uns beim Keller dafür bedanken, dass er es gut bewahrt hat. Das können nicht nur Innenräume sein, sondern auch irgendwie abgegrenzte Außenbereiche, bzw. Teile des Geländes, die in subtiler Weise ihre eigene Qualität haben. Und alle Wesen haben es gerne, wenn wir ihnen sagen dass wir sie mögen, oder was wir an ihnen besonders schätzen.


Selbstkenntnis ist eine weitere wichtige Vorausetzung für die Gestaltung eines PK-Systems. Wir sollten uns selbst kennen, unsere Bedürfnisse und Grenzen, unsere Motive und Absichten, und speziell auch eine realistische Einschätzung unserer Beziehungsfähigkeit haben — sind wir fähig und bereit uns auf genau diesen Platz langfristig einzulassen? Sind wir fähig und bereit, die mit Sicherheit auftretenden Veränderungen im Gefüge der Beziehungen der Menschen des Projektes zuzulassen und in einer Weise aufzufangen und konstruktiv umzugestalten, dass der Bestand des Projektes dadurch nicht gefährdet wird? Denn (fast?) alle gescheiterten PK-Projekte sind an der Beziehungsunfähigkeit der Menschen gescheitert - nicht an mangelnden Ressourcen.


Ausgerüstet mit diesen erarbeiteten oder verifizierten Einsichten über das Funktionieren der Natur, der Vertrauens.Beziehung mit unserem Areal, sowie fundierter Selbstkenntnis können die verschiedenen auf PK-Design Kursen gelehrten Techniken nutzbringend angewendet werden.

Der Prozesses der Grundlagen-Sammlung und -Forschung sollte mindestens ein Jahr dauern, wenn es mehrere Jahre sind ist es auch nicht schlimm, ganz im Gegenteil. In dieser Zeit werden immer wieder Ideen für die Gestaltung einzelner Bereiche auftauchen. Es ist gut, so etwas zu registrieren und vielleicht auch skizzenhaft zu dokumentieren, aber der eigentlich Entwurfsprozess sollte mindestens dieses erste Jahr lang hinausgeschoben werden.

Wenn es dann soweit ist, dass wir uns bereit fühlen, den Schritt zu Entwurf und Planung zu tun, sollten wir einige Wochen dafür reservieren, und bestenfalls auch jemanden von außen dazu einzuladen, die/der zwar nicht die Vertrautheit mit dem Platz hat, aber auch nicht die Scheuklappen, die sich vielleicht entwickelt haben.

Im eigentlichen Entwurfs-Prozess gilt es, unsere Bedürfnisse und Tendenzen mit denen des Areals abzustimmen; wo sich Konflikte zu ergeben scheinen, gilt es kreative win-win Lösungen dafür zu finden. Wichtig ist dabei auch, das Design mit einer Zeitschiene zu versehen - das heißt, das entworfene System hat nicht nur einen Climax-Zustand, sondern auch einen in 10 Jahren, einen in 20 Jahren, etc. Auch Strategien zur Umsetzung, Prioritäten für die Umsetzung sowie übergangsmäßige Nutzungen gehören entworfen.

Umsetzung

Ein bedeutender Aspekt jedes PK-Designs - und wer den aus den Augen verliert ist in Schwierigkeiten - ist, dass es sich nicht um eine starre Zielvorgabe handelt, sondern um ein "weiches Ziel", das durch Feedback-Prozesse reift.

Generell gelten folgende Umsetzungs-Regeln: von innen nach außen, vom Kleinen ins Große. Schlafplatz, Küche, Hausgärtchen - wenn das halbwegs klappt kommen die nächsten Schritte. Jeden Eingriff, den wir nicht schon öfters wo gemacht haben, machen wir zuerst immer im Kleinen, und schauen, ob die Effekte so sind wie geplant und gewünscht - erst dann führen wir größere, einschneidendere Maßnahmen durch.

Vor jedem Eingriff alle Beteiligten rechzeitig informieren. "Beteiligte" sind Menschen, Pflanzen, Tiere, bauliche Strukturen, der Boden - alles. "Rechzeitig" ist variabel, je größer der Eingriff umso früher - oft wird der tag vorher genügen, doch vor massiven Erdbewegungen sollten wir einige Wochen vorher Bescheid geben, und auch die jahreszeitlichen Zusammenhänge berücksichtigen. "Informieren" heißt genau dieses: geht meist am Besten durch reden, wenn es sich dabei nicht um Menschen handelt ist laut und innerlich gleich gut, wichtig ist dabei vor allem, dass wir Kontakt herstellen, "so als wäre es ein bewusstes Wesen", und dann kommunizieren, "so als könnte es verstehen". Beim Informieren nicht nur sagen was passieren wird, sondern auch mit welcher Absicht.

Während des Eingriffs mit den verschiedenen Beteiligten in Kontakt bleiben, auch wenn es schmerzlich sein mag. Oft ist es in verletzenden Situationen die Begleitung bzw. ihre Abwesenheit, die den Unterschied macht zwischen Trauma und Wachstums-Erfahrung. Auch Pflanzen, Tiere und Ziegelsteine wollen wachsen. Wenn du meinst, ihren Stress, Schmerz, oder ihre Angst wahrzunehmen, dann rede ihnen gut zu, sag ihnen dass das nur der Übergang ist und es nachher ganz toll sein wid, und vor allem: dass sie es bestimmt schaffen und reifer daraus hervorgehen werden.

Um der Begleitung willen, aber auch um schlimme Fehler und sinnlose Gewalttaten zu verhindern, ist es ganz besonders wichtig, auch dann dabei zu sein, wenn fremde Arbeitskräfte, z.B. Baggerfahrer, arbeiten verrichten, bei denen du "eigentlich nicht nötig" bist. Mache speziell bei Fahrern schwerer Maschinen vorher guten Kontakt und kläre die Kompetenzen - mach dir auch ein Zeichen aus, bei dem die Maschine sofort angehalten wird, sei es weil etwas passiert das du nicht möchtest oder weil du zwischendurch mal etwas nachmessen oder prüfen möchtest, etc. Wenn du das Gefühl hast, mit diesem Fahrer geht sowas nicht - such dir einen anderen.

Nach dem Eingriff Bach Schocktropfen (rescue remedy) für alle Beteiligten - bzw. bei kleineren Eingriffen (Umpflanzen) nur denen, die geschockt sind (zumindest die Pflanzen).

Neben der Ho-Ruck Umsetzung gibt es keine PK ohne laufende, schleichende, tagtägliche Umsetzung, meist mit gelegentlichen kleineren Ho-Rückerchens.

Zwischennutzungen (kommt demnächst irgendwann...)

das Leben als Provisorium (kommt demnächst irgendwann...)

Zusammenhänge zwischen Permakultur und schamanischer Lebensführung

(kommt demnächst irgendwann... d.h., eigentlich habe ich da ein eigenes Buch im Kopf, über "Das Tao der Selbstversorgung" oder "Gärtnern als spirituelle Praxis" oder so ähnlich... wird wohl noch ein Weilchen dauern.)

http://zartbesaitet.net/gp/pk2.htm
letzte Aktualisierung am 20.11.2005 20:12