|
• Abonnieren / Abbestellen
• Feedback |
"Bewegung der Hochsensiblen":
Vielleicht noch Wunschdenken oder etwas hochtrabend, aber wir meinen, dass wir schön langsam durchaus von einer "Bewegung der Hochsensiblen" sprechen können. Sind es in absoluten Zahlen auch noch nicht sehr viele, so kommen doch immer mehr HSP mit der Thematik in Berührung und erkennen ihre Wichtigkeit. In erster Linie natürlich für sich selbst und das eigene Leben, aber auch in seinen Auswirkungen auf gesellschaftliche Zusammenhänge und Entwicklungen, und beginnen sich deshalb aktiv für die Verbreitung des Gedankens einzusetzen. Wir wollen hier versuchen, diese keimende Bewegung in einem größeren Zusammenhang zu sehen.
Dr. Elaine Aron, die Psychologin die 1996 mit ihrem Buch "The Highly Sensitive Person" den Begriff HSP geprägt hat, und auch Georg Parlow, als Autor von "Zart besaitet" der HS-Pionier im deutschsprachigen Raum, betonen zunehmend die Bedeutung der HSP in der Welt. In der modernen, globalisierten und von westlich-amerikanischen Werten dominierten Welt haben HSP im Allgemeinen kein leichtes Leben. Für viele ihrer Bedürfnisse ist nicht gesorgt, ihre leise Stimme der Bedächtigkeit, Vernunft und Vorausschau wird wenig beachtet, ihr Hang zu systemischen Lösungen, Mäßigkeit, Rücksicht und Nachhaltigkeit bleibt weitgehend frustriert.
Das politische und wirtschaftliche Klima in der Welt wurde und wird zunehmend kälter. Dies brachte die schwächeren Mitglieder der Gesellschaft, und dazu gehören die HSP als Gruppe sicherlich, in größere Bedrängnis. So wurde unsere Stimme noch leiser, was die Entwicklung noch hemmungsloser voranschreiten ließ. Oberflächlich betrachtet mag das wie ein sich verstärkender Teufelskreis wirken, der nur in eine Richtung geht, doch das kann nur eine Teilsicht der Dinge sein.
Leben in all seinen Formen befindet sich in einem vielschichtigen dynamischen Gleichgewicht, und zwar seit Millionen von Jahren – komplexe Homöostase nennt das die Systemtheorie. Die menschliche Gesellschaft ist ein hochkomplexes System, ihr Beharrungsvermögen daher besonders ausgeprägt. Das heißt nicht, dass sie sich in einem statischen Zustand befindet, sondern dass sie sich in Pendelbewegungen rund um einen Zustand des Gleichgewichts bewegt, den sie einerseits nie länger als für Momente erreichen, sich aber auch nicht beliebig weit davon entfernen kann. Je weiter sich ein Pendel aus der Mitte bewegt, umso stärker werden die Gegenkräfte, umso näher rückt der Zeitpunkt der Wende.
Wenn wir als Teile des Systems mitten drinnen stecken, können wir schwer abschätzen, wie weit sich die Situation aus dem Lot bewegen kann, ehe sie in die gegenläufige Bewegung kippt. Sicher ist jedoch, dass der Zustand des Systems untrennbar verbunden ist mit dem seiner Untersysteme – in diesem Fall von dem der einzelnem Menschen, die Untergruppen bilden, welche die Gesellschaft bilden.
HSP haben selten "Geschichte geschrieben", weil diese zu großen Teilen aus Kriegen, Dominanz und Unterwerfung bestand. Doch HSP haben über weite Strecken die Geschichte indirekt gelenkt bzw. vor allem das tägliche Leben der Menschen stark beeinflusst – durch Vorgabe der ethischen Werte, durch die alltägliche Ausübung der Priesterämter aller Kulturen, durch einen Großteil der Erfindungen und kulturellen Errungenschaften, und als Berater der Mächtigen der Welt.
Doch egal, ob die HSP eine anerkannte und wertgeschätze Klasse bilden, oder eine verdrängte, in Einzelschicksalen vielleicht bemitleidete oder schlichtweg unverstandene Minderheit, wir dürfen unseren Einfluss auf den Zustand des großen Ganzen nicht unterschätzen. Wir HSP beginnen uns zu besinnen und uns, unser Leben und – über kurz oder lang – unsere Rolle in der Welt mit neuen Augen zu betrachten. Es kann leicht sein, dass die momentanen Anfänge der Bewegung der Hochsensiblen rückblickend betrachtet einmal als Beginn der Umkehr gesehen wird. Geschichte ereignet sich – jetzt.

weiter zu:
Mögliches Zukunfts-Szenario
|